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Samstag, 19. Mai 2012

Der Bischof in Feuer & Flamme

Mit Bischof Ivo MuserAm 9. Oktober wurde Ivo Muser im Dom zu Brixen als Nachfolger des schwer erkrankten Altbischofs Karl Golser, zum Bischof geweiht. Mit Südtirol 1-Moderator Daniel Winkler spricht Bischof Ivo Muser am Christtag (ab 10 Uhr) über eine Kirche, die durchaus dem Zeitgeist folgt, seine Berufung zum Gottesmann und seinem wichtigsten Anliegen – Christus zu verkünden. Aber auch über die Zeit der Entscheidungsfindung und seinem Wunsch für Südtirols Kirche, wird er erzählen.

Herr Bischof, was bedeutet für Sie  persönlich Weihnachten?

An Weihnachten beginnt die Heilsgeschichte, denn Weihnachten steht ja auch in enger Verbindung mit Ostern, dem höchsten Festtag. Dadurch, dass Gott ein Mensch geworden ist, bedeutet das für uns Christen, dass Gott in dieser Welt nirgendwo so gegenwärtig ist, wie im Menschen. Deshalb feiert man Weihnachten auch gerne mit lieben Menschen.

Sie sagen, ohne Christus hat die Kirche keinen Sinn. Haben Sie deshalb das bischöfliche Motto „Du bist Christus“, gewählt?

Ja, selbstverständlich. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, wir beschäftigen uns zu sehr nur mit der Kirche und ihren Herausforderungen und Problemen. Aber die Kirche ist nicht ein Selbstzweck; die Kirche hat nur einen Sinn und eine Aufgabe: Auf Christus hinzuweisen. Ohne diesen Christus wüsste ich nicht, wozu es diese Kirche braucht.

Ihr größter Wunsch ist es, dass der Glaube bei uns in Südtirol lebendig bleibt. Sprechen Sie deshalb die Kinder und Jugendlichen ganz besonders an?

Gerade Kinder und Jugendliche sollten wir nicht um Gott betrügen. Wir sollen Ihnen von Gott erzählen, und auch von den Werten, die unser Leben leichter machen und uns auch helfen, besser miteinander umzugehen. Wir dürfen aber nichts von Ihnen fordern und erwarten, was nicht wir als Erwachsene zu tun bereit sind.

Herr Bischof, manche behaupten ja, die Kirche sei nicht mehr zeitgemäß. Was sagen Sie dazu?

Wir betreiben natürlich keine Tagespolitik. Die Aufgabe der Kirche ist es auch nicht mit der Mode zu gehen. Die Kirche steht aber immer in der Zeit, deshalb ändert sich auch die Kirche in der Zeit. Ich bin immer noch überzeugt, dass Christus auch in unserer Zeit konkurrenzlos ist.

Kann man sagen, Weihnachten ist neben Ostern auch die stressigste Zeit für die Kirche?

Stress ist immer ein negatives Wort, ich würde sagen es ist viel zu tun. Aber da erleben wir Priester und auch ich als Bischof doch auch unmittelbar, warum wir unseren Dienst übernommen haben. Wir dürfen Gottesdienste feiern, das Gott Wortes verkünden und auch erleben, dass sich die Kirchen füllen. Das tut uns allen auch gut.

Wenn wir von Schicksalsschlägen, wie der schweren Erkrankung unseres Altbischofs Karl Golser, erfahren, oder aber auch im privaten Umfeld davon betroffen sind, dann beginnen manche Gläubige zu zweifeln. Sie fragen sich, gibt es Jesus wirklich und warum lässt er so viel Leid zu. Was sagen Sie diesen Menschen?

Auch das hat ganz viel mit Weihnachten zu tun. Wir feiern an Weihnachten die Menschwerdung und der Höhepunkt der Menschwerdung ist nicht die Krippe sondern das Kreuz. Christus hat alles angenommen, auch die dunklen und belastenden Seiten des menschlichen Lebens, bis in den Abgrund des Kreuzes hinein. Wir Christen können nicht einfach leidvolle Situationen erklären oder gar logisch auflösen; wir können nur sagen: Gott selber hat mit Jesus dieses Leben mit allen Konsequenzen angenommen und geteilt.

Ein religiöses Elternhaus, die Heimatpfarrei und der Jesuitenorden, führten Sie in das Amt als Bischof. Hätten Sie sich aber auch vorstellen können, zu heiraten und eine Familie zu gründen?

Selbstverständlich. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Frage unseres Spirituals, während meines Studiums: „Könnt ihr euch vorstellen, auch ein guter Familienvater und Ehemann zu sein? Und nur, wenn ihr diese Frage positiv beantworten könnt, dann sollt ihr Priester werden.“ Das hat mir damals sehr gut getan. Es wäre ganz schlimm, wenn ich Priester geworden wäre, weil ich nicht heiraten wollte, oder weil mir Kinder zu lästig wären oder gar, weil ich etwas gegen Frauen hätte. Das wäre kein guter Boden um Priester zu werden.

Herr Bischof, hatten Sie eine Freundin? Früher?

Keine fixe Freundin, aber ich hätte mir natürlich vorstellen können, mit der einen oder anderen eine Freundschaft zu beginnen.

Quelle: Sonntagszeitung "Z", 18. Dezember 2011

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